La Palma

 

Mit dem Jahreswechsel erfolgte plötzlich ein Stimmungswechsel, der für "Sand im Getriebe" sorgte und so schnell nicht wieder heraus wollte ...

 

Ob das mit dem Wetterwechsel zu tun hatte? Ende Dezember bescherte uns ein großes Tief stürmische Zeiten mit Regenmengen, die wir (und die Insel) so schon sehr sehr lange nicht mehr erlebt haben.

Auch die Temperaturen gingen deutlich runter, so dass wir doch noch unsere Heizöfchen rauskramen mussten ...:-((

 

Laut Aussage von Einheimischen haben wir wohl einen untytischen Winter erwischt ...

 

21 Januar

 

Also ... das Ganze hier unter „Törnberichte" laufen zu lassen ist mittlerweile ja eigentlich Quatsch. Segeln tun wir ja nur noch um irgendwann möglichst schnell und komfortabel (was ja nie gelingt) irgendwo anders hin zu kommen, um dort dann auch wieder monatelang im Hafen zu liegen ;-)

Eigentlich ist es dann auch nicht gany richtig, uns als "Segler" zu bezeichnen;  es müßte eher "Segelschiffbewohner" heißen ...  ;-)

 

Jetzt ist es aber wieder so weit ... es reicht uns mit La Palma. Wir sind "satt" von der Isla Bonita. Und es gibt ja schlieslich noch 6 weitere Inseln auf den Kanaren und wir haben uns La Gomera als Nächste ausgeguckt.

 

Wir starten frühmorgens also mit Ziel La Gomera, wobei uns auf halber Strecke El Hierro irgendwie anlacht ... und spontan zum neuen Ziel erklärt wird;-)

 

Nach 52 Seemeilen erreichen wir gegen 19 Uhr den dortigen Hafen La Estaca. Wir haben eine ruhige Überfahrt; allerdings mit zu wenig segelbarem Wind und insgesamt 6,5 Motorstunden. Wie sich herausstellte war das gut so, denn die drei Schiffe, die wegen mehr zu erwarteten Windes einen Tag später gestartet sind, wurden übel durchgeschüttelt.

 

Der Hafen La Estaca gefällt uns auf Anhieb. Schön leer, geschützte Lage, neue Steganlagen und Duschen, so groß, dass man darin Tanzen könnte ;-) Eine Wohltat nach den engen Kabinen in Tazacorte!

Nur die Versorgungslage lässt zu wünschen übrig. Es gibt lediglich ein Cafè am Fair Terminal (mit grottemschlechten Selbigen)  und ein fußläufiger Minimarkt. Ansonsten muss man 12 Km den Berg hoch nach Valverde fahren, wo das Angebot ... auch nicht so richtig befriedigend ist:-(

 

Am nächsten Morgen wollen wir uns anmelden, aber der Hafenmeister/-polizist ist gerade sehr beschäftigt, da ein Migrantenboot unterwegs zum Hafen sei ...

 

Mit sehr gemischten Gefühlen bereiten wir uns auf`s Frühstück vor, da wir beobachten, wie vor unserer Nase Krankenwagen vorfahren, Absperrungen errichtet werden und Menschen sich vermummen...

Es entsteht ein "komisches“ Gefühl und die Frage: darf/will ich Foto`s machen, wenn sie kommen ...? Noch ist es nicht so weit und wir Frühstücken irgendwie ...

 

Dann kommen sie. Ein offenes Holzboot, 14 m lang, 2 m breit mit 28 Menschen an Bord, fährt aus eigener Kraft in den Hafen. Sowohl der Rudergänger, als auch der Mann im Bug mit einer Leine in der Hand wirken kompetent. Als dann noch Einer aufsteht, sein Smartphone in die Höhe hält und seine Ankunft in Europa filmt, habe ich keine Skupel mehr...

Die Menschen müssen mindestens 4 Tage unterwegs gewesen sein (eher mehr). Dafür sind die aber erstaunlich gangsicher, als sie aus dem Boot aussteigen. Zwar werden sie vorsichtshalber gestützt, aber Einige schreiten doch recht sicher und fast schon forsch an der Absperrung entlang zu einer Mauer, wo sie sich in einer Reihe hinsetzen und erstmal Decken bekommen.

Dann erhält Jede(r) eine Plastiktüte mit Wechselwäsche, die sie gegen ihre (vermutlich stinkenden) Klamotten tauschen.

Die Krankenwagen können wieder abziehen; anscheinend benötigt Keiner notärztliche Hilfe. Dafür kommt wenig später ein Reisebus angefahren, der die Migranten aufnimmt und in ein Sammellager fährt.

 

Das Migrantenboot liegt noch tagelang an unserem Steg bevor es an Land gezogen wird. Es hat einen 40 PS Yamaha Aussenbordmotor und noch einen Zweiten als Ersatzt dabei.

 

Wegen Corona und wohl auch sonst durften die Menschen nichts aus dem Boot mitnehmen. Alles bleibt noch tagelang so im Boot zurück. Alle Rucksäcke, Anziehsachen, diverse Wasser und Spritkanister, ...

Ich frage mich, ob sich der Aufwand "lohnt".

 

Zum Einen:

sind die Menschen jetzt wirklich hier besser dran? Abgesehen davon, dass sie überlebt haben, kommen sie in ein Auffanglager. Wie es von dort weitergeht, ist ungewiss. Was für eine Perspektive und was für ein Leben liegt jetzt wohl vor Ihnen ...?

 

Seit dem letzten Jahr kommen Zehtausende Flüchtlinge über die Kanarenroute

(sogar Menschen, die dazu erst einmal Afrika gequert haben !!!).

Die Lager auf den Inseln sind überfüllt und Festlandspanien weigert sich, sie aufzunehmen und fordern Hilfe dazu von anderen EU Staaten ...

 

Zum Anderen:

Ich schätze den Wert des Bootes mit den Motoren auf mindestens (!) 10000 €, die (zumindest bei dieser Bootsgröße) ja jedesmal in den Wind geschrieben werden (es liegt noch so ein Boot hier und zwei im anderen Hafen).

Das wären also ungefähr 400 € pro Person, um die reinen Kosten zu decken. Irgendwer wird da bestimmt auch noch was verdienen wollen .... D.h. eine "Passage" kostet dann wieviel ?

Ich habe den Eindruck, das sind keine "armen Schweine", die hierher kommen.

Die armen Schweine sind die, die drüben bleiben müssen, weil sie nicht genug Geld haben ...  !?

 

Nur so ein paar Gedanken ...

So zurück zur Insel ...

 

El Hierro ... wieder so eine schöne Insel !!! Noch schöner als La Palma !! ??

Ich sage ja. Helga und ich einigen uns darauf, das jede Insel (auch später Gomera) seinen eigenen Reiz hat.

 

Praktisch ist, das es am Fairterminal direkt Autovermieter gibt. Wir leihen uns also Eins und los geht`s.

Was mir sehr gut gefällt: ist man erst mal auf dem Berg, bzw der Hochebene, geht`s fast eben weiter. Das macht die Wanderungen für mich sehr angenehm ;-)

Zuvor bestaunen wir erstmal die Steilküsten...

 

und eine der Attraktionen von El Hierro: Roque de la Bonanza

Dann geht`s los: La Pena, ein Aussichtspunkt, der von Cesar Manrique entworfen wurde...

von dem man einen herrlichen Ausblick über das Tal "El Golfo" hat.

Cäsar Manrique hat - unter vielem Anderen - auch diese ca. 4 m hohe Skulptur vor Hauptstadt Vila de Valverde zu verantworten.

Weiter geht`s über einen weiteren Aussichtspunkt "Jinama" ...

zu den "Highlands", der besagten und traumhaft schönen und friedlichen Hochebene.

Wir machen einen Besuch beim heiligen Baum "El Garoe" ...

der die früheren Bewohner der Insel mit Trinkwasser versorgt hat.

So weit in etwa zum mittleren Teil der Insel ...

 

Im südlichen Teil fahren wir zuerst durch den schönen Pinienwald "El Pinar" ...

vorbei an dem früheren Nullmeridian (zu Zeiten, als die Erde noch eine Scheibe war) "..."

nach Restinga, dem anderen Hafen auf El Hierro, wo uns aber mehr der Fisch beeindruckt und weniger die Hafenanlage.

Seit dem Besuch im westlich gelegenen "El Sabinar" wissen wir auch, wie Trump auf die Idee für seine Frisur gekommen sein mag ...

Der beständige und trockene Passatwind hat hier natürliche Kunstwerke geschaffen.

Im Tal "El Golfo" befindet sich das Ökomuseum, dass sowohl eine alte Arbeitersiedlung ...

eine Höhle, in die wir Kumpel "einfahren" durften ...

als auch eine Rieseneidechsenzucht beherbergt ...

obwohl ... so riesig fand ich die gar nicht (ca. 30 cm)

Ansonsten hat El Golfe eine lange Küste, die von bizarren Felsformationen geprägt ist, die durch erkaltete Lava entstanden ist und die an diversen Stellen mit inseleigenem Material zusätzlich aufgehübscht wurde; z.B. um natürliche Schwimmbecken zu gestalten.

Wie Du liest und siehst, ist die Insel wunderschön und sehr vielseitig. Eine Woche reicht nicht und uns ist klar: hier müssen wir noch mal hin!

 

Aber wir wollen jetzt nmach La Gomera, u.a., um einige Freunde wiederzutreffen.

 

Freitag 29 Januar

 

Ein 3 er Wind ist angesagt. Also fahren wir ungerefft aus dem Hafen und werden von einem 6 er mit ordentlich Wellengang empfangen - Waschmaschine also mit viel Schräglage und Wasser über`s Deck. Nach einiger Zeit stellen wir fest ... auch Wasser unter Deck :-((. Ca. einen halben Eimer voll fördert Helga über Bord. Da ist also nix getröpfelt, sondern gelaufen, aber bloß wo???

 

Als wäre das nicht blöd genug, steht - wie immer - unsere Kaffeemaschine im Spülbecken, damit sie keinen Schaden nimmt. Durch die Schräglage kam aber Wasser ins Spülbecken, woduch die Maschine dann eben mal im Wasser stand ... (Fortsetzung folgt).

 

Nach gut 9 Stunden und ca. 20 Delfinen legen wir in San Sebastian de La Gomera an.